Aids ist eine schwere, durch HIV ausgelöste Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems. Aids macht den Körper wehrlos gegen viele Krankheitserreger und anfällig für Tumoren, die ein gesunder Mensch ohne Probleme abwehrt. Die durch die Schwächung des körpereigenen Immunsystems ausgelösten Krankheiten führen schließlich ohne Behandlung zum Tode. HIV (Humanes Immundefekt Virus) ist ein Virus, das vor allem die Zellen des Abwehrsystems befällt. Es vermehrt sich in ihnen, setzt sie außer Funktion und zerstört sie schließlich.
Das körpereigene Abwehrsystem kann — anders als bei den meisten anderen Infektionen — HIV nicht aus dem Körper entfernen, obwohl einige Wochen nach der Infektion Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das eingedrungene Virus gebildet.
AIDS–Erreger, Erkrankung, Symptome, Erreger
Das HI-Virus befällt vor allem jene Zellen, die für die körpereigene Abwehr von Krankheiten verantwortlich sind: die großen Fresszellen (Makrophagen) und die T-Helfer-Zellen. Es können jedoch auch andere Zellen befallen werden, besonders im Darm und im Gehirn.
Das HI-Virus kann übertragen werden, wenn Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit auf offene Hautverletzungen (frische Wunden, Pilzinfektionen, Geschlechtskrankheiten, Ekzeme) oder auf Schleimhäute (z. B. Scheide, Penis, Mund, Enddarm) kommt. Speichel, Schweiß, Tränen, Urin und andere Körperausscheidungen enthalten weit weniger Viren und kommen daher für eine Infektion praktisch nicht in Betracht.
Die Erbinformation des Virus wird in den Kern der befallenen Zellen eingebaut und kann dann nicht mehr von der zelleigenen Erbinformation unterschieden werden. Die Wirtszelle wird dadurch umprogrammiert und produziert neue Viren. Bei einer Zellteilung wird außerdem die Erbinformation des Virus an beide Tochterzellen weitergegeben. Deshalb verbleibt die Erbinformation lebenslang im Körper des infizierten Menschen und macht die vollständige Heilung bislang unmöglich.
Behandlung der HIV-Infektion
Eine Infektion mit dem HI-Virus ist bis heute leider immer noch nicht heilbar, jedoch behandelbar. Trotz intensiver Bemühungen in der Forschung konnten bislang weder Impfstoffe noch Medikamente gefunden werden, welche das Virus gänzlich an der Vermehrung hindern oder es völlig aus dem Körper entfernen. Es gibt jedoch eine Reihe von Medikamenten, welche die Vermehrung von HI-Viren hemmen und den Krankheitsverlauf verzögern können.
Zwischen der Ansteckung mit HIV und dem letzten Stadium der Erkrankung, das AIDS genannt wird, liegt eine individuell unterschiedlich lange Zeit. Zehn Jahre nach der Infektion sind 50%, 14 Jahre danach 69% der infizierten Menschen im Vollbild AIDS. Ca. 8% der infizierten Menschen haben jedoch sogar 15 Jahre nach der Infektion noch keine Anzeichen einer Erkrankung.
AZT (Zidovudin/Retrovir) war das erste Medikament, das die Vermehrung des Virus in den befallenen Zellen hemmt und so den Krankheitsverlauf günstig beeinflusst. Mittlerweile gibt es ca. 16 Medikamente, die auf verschiedenen Wegen gegen das Virus wirken. Es hat sich gezeigt, dass die Behandlung mit nur einem Medikament schnell ihre Wirkung verliert, da das Virus gegen das Medikament resistent wird. Eine Kombinationstherapie mit 3 (oder mehr) Medikamenten bietet deutlich bessere Möglichkeiten, die Vermehrung des Virus auf längere Zeit zu unterdrücken. Welche Kombination hier für den jeweiligen Patienten die wenigsten Nebenwirkungen zeigt und am besten verträglich ist, sollte mit einem hierauf spezialisierten Arzt besprochen werden.
Ist das lmmunsystem eines infizierten Menschen bereits geschädigt, kann man neben der Hemmung der Viren selbst auch gegen die Krankheiten etwas tun, die aufgrund des geschwächten Immunsystems nun eher die Chance haben, anzugreifen (opportunistische Infektionen). Gegen eine bei fortschreitender HIV-Infektion häufig auftretende Lungenentzündung durch Parasiten (PcP = Pneumocystis carinii Pneumonie) kann beispielsweise vorbeugend inhaliert oder können Tabletten eingenommen werden. Auch gegen andere opportunistische Infektionen wie Toxoplasmose oder Kryptokokkose ist eine vorbeugende Behandlung möglich. Die meisten Infektionen durch Pilze, Bakterien oder Parasiten und Viren können mit wirksamen Medikamenten behandelt werden.
Bei alledem ist es aber wichtig, zu wissen, dass die meisten im Verlauf der HIV-Infektion auftretenden Erkrankungen auch andere Ursachen haben können. Die Tatsache, dass z. B. Gürtelrose gehäuft bei HIV-Patienten auftritt, bedeutet nicht, dass jeder Patient mit einer G?rtelrose auch HIV-positiv ist!
Wie lange überlebt HIV außerhalb des Körpers?
HIV kann, nach Umgebungsbedingungen, auch ausserhalb des Körpers seine Infektiosität tagelang behalten. Die Frage der Ansteckungsmöglichkeiten ist dies im Alltag aber meist wenig relevant, da es in der Regel keine geeignete Eintrittspforte für das Virus mehr besteht. Dies gilt für Blut oder Sperma an Gegenständen. Sobald potentiell infektiöse Körperflüssigkeiten angetrocknet sind, besteht keine Möglichkeit einer Infektionsübertragung mehr. Wenn Ejakulat allerdings in Scheide, Darm oder Mund aufgenommen wird, kann darin enthaltenes Virus natürlich eine Infektion verursachen. Auch wenn angetrocknetes Blut wieder in Lösung gebracht wird (z.B. bei Wiederverwendung einer gebrauchten Spritze) und aktiv in den Körper eingebracht (z.B. injiziert) wird, besteht ein Infektionsrisiko. Der blosse Hautkontakt, auch der flüchtige Kontakt mit verletzter Haut, erlaubt kein Eindringen des Virus in den Körper. Die Botschaft, dass HIV ausserhalb des Körpers schnell "abstirbt" ist also eine der Realität nicht ganz gerecht werdende Vereinfachung eines etwas komplizierteren Sachverhaltes, zumal Viren ja keine Lebewesen mit eigenem Stoffwechsel sind. Viren "sterben" daher nicht, sondern können höchstens inaktiviert werden bzw. ihre Infektionsfähigkeit verlieren.
Ausblick
Da die Hoffnungen auf einen wirksamen Impfstoff gegen das HI-Virus bislang und wohl auch in naher Zukunft unerfüllt bleiben werden, sind Prävention und die Entwicklung einer immer wirksameren und weniger belastenden Therapie realistische Hoffnungen im Kampf gegen das Virus.
Das zukünftige Konzept besteht in einer Dauerbehandlung mit mehreren verschieden wirkenden Medikamenten, so dass das Fortschreiten der Infektion und der Ausbruch der Krankheit aufgehalten wird.
Symptome
Innerhalb der ersten Wochen nach der Ansteckung mit dem HI-Virus können Symptome auftreten, die an eine Grippe erinnern (Fieber, Hautausschlag, Lymphknotenschwellungen). Sie vergehen jedoch bald wieder und es schließt sich eine jahrelange, klinisch symptomfreie Phase an. Nur durch genaue Untersuchungen lassen sich die im Körper stattfindenden massiven Auseinandersetzungen mit dem Virus feststellen. Dieser symptomfreien Zeit folgen die AIDS-Vorstadien, die als Lymphadenopathie-Syndrom (LAS, chronische Lymphknotenschwellungen) und als AIDS-Related Complex (ARC) (mit Allgemeinsymptomen wie Fieber, Durchfälle, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme und gelegentlich Persönlichkeitsveränderungen) bezeichnet werden. Wichtig zu wissen ist, dass all diese Symptome auch bei anderen Krankheiten auftreten können, also keinesfalls einen zwangsläufigen Rückschluss auf eine HIV-Infektion zulassen. Diese kann nur durch den HIV-Test festgestellt werden.
Im Endstadium der HIV-Infektion, der AIDS-Erkrankung, kommt es zu einem nahezu völligen Zusammenbruch der körpereigenen Abwehr. Erreger, die bei einem gesunden Menschen keine Erkrankung oder zumindest nur ganz harmlose Infektionen auslösen, sind für Menschen mit einer fortgeschrittenen Abwehrschwäche lebensgefährlich, weil sich die Erreger ungehindert vermehren können. Viren, Bakterien und Pilze haben nun die Gelegenheit, Infektionen und Erkrankungen auszulösen (sog. opportunistische Infektionen). Da unser Abwehrsystem nicht nur Krankheitserreger vernichtet, sondern auch Krebszellen, ist nachvollziehbar, dass AIDS-Patienten auch vermehrt unter Krebs leiden können. Besonders häufig findet man im Zusammenhang mit AIDS das Kaposi-Sarkom, einen sonst sehr seltenen Hautkrebs, bestimmte Formen von Blutkrebs.
|